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Künftiger Hausarztmangel droht zuerst in Westfalen
Was den Hausarztmangel angeht, starren alle auf die östlichen Bundesländer. Dort gab es Nachwuchsmangel resultierend u. a. durch Bezahlung unter dem Bundesdurchschnitt.
Die schlechte Bezahlung hat sich dort nach der Vergütungsreform schlagartig geändert. Nun steht Westfalen am Ende der Einkommenstabelle: Bei den Standardleistungen genannt “ Regelleistungsvolumen ( RLV)” gibt es für die Hausärzte in Westfalen ( nur ) noch 10,75 € pro Patient und Monat. Der Hausbesuch wird nicht mehr bezahlt !
Westfalen ist aber im Augenblick noch in der vorzügereichen Situation alle ( groß geschnittenen) Bezirke mit Hausärzten besetzt zu sehen. Noch ! - Die Statistik entlarvt: In Westfalen gibt es mit 72,8 Köpfen auf 100 000 Einwohner die geringste Hausarztdichte in der Bundesrepublik In Berlin sind dafür 102 Hausärzte zur Verfügung, in Bayern 93,8, in Baden-Württemberg 86 und sogar im stets bemitleideten Brandenburg sind es noch 74, 3 Hausärzte. > Noch < muss man bei allen sagen. > Noch < muss man aber auch in Westfalen sagen. Noch trägt das System. Aber es ist die Stille vor dem Sturm. In fünf Jahren gehen 25 % in den Ruhestand. Für das gleiche ( ab 2009 deutlich weniger) Geld musste und muss der westfälische Hausarzt mehr Patienten behandeln. In Baden-Württemberg und Bayern bekommt der Hausarzt €- Dank Hausarztvertrag außerhalb der KV - gut doppelt so viel, wie in Westfalen. In Westfalen addieren sich mindere Arztdichte und schlechte Bezahlung - Wohin wird sich der ( spärlich produzierte ) Nachwuchs wenden ? - Westfalens Hausarztsitze sind nicht mehr zu besetzen. H.A.Massing Jan 09
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Aus der Medical Tribune ( von Ärzten für Sie) Nr 3/2006 ( Juli 2006) von Karl H. Brückner
Warum Deutschlands Ärzte auf die Barrikaden gehen - Honorare können wachsende Bürokratie und steigende Kosten nicht mehr ausgleichen
Über 40 000 Ärzte demonstrieren am selben Tag in Berlin, Stuttgart und Köln, 22 000 Ärzte aus Unikliniken sind wochenlang im Streik. Eine so große Protestwelle hat die Bundesrepublik noch nicht gesehen. Es geht um Arbeitsbedingungen, um staatliche Reglementierung der Arzt-Patienten-Beziehung und um Geld. Nach drei Jahrzehnten Kostendämpfungs- und Regulierungspolitik ist die Geduld der 300 000 Mediziner im Lande am Ende. Aber wo drückt den Ärzten eigentlich der Schuh, warum gehen sie auf die Barrikaden und drohen damit, ihre Proteste noch weiter zu steigern? Niedergelassene Ärzte in ihren Praxen und Krankenhausärzte klagen über zunehmende Bürokratie und Reglementierung. Rund ein Fünftel ihrer Arbeitszeit müssen die Mediziner in beiden Versorgungsbereichen für Schreibtischarbeiten aufwenden: Abrechnungen, Dokumentationen, Formulare, Krankenkassenanfragen etc. belasten die Ärzte gleichermaßen in Praxis und Klinik. In den Krankenhäusern ist die laufende Umstellung auf diagnosebezogene Fallpauschalen ( DRG) - künftig gibt es gleiche Preise für gleiche Leistungen - wesentlicher Grund für den wachsenden Verwaltungsaufwand. In anderen Ländern werden dafür oft Spezialkräfte eingesetzt, in Deutschland raubt dies Medizinern Zeit für die Patientenversorgung. Die Klinikärzte streiken zudem für akzeptable Arbeitszeiten ohne 36-Stunden-Marathondienste, die Entlohnung aller Überstunden und bessere Bezahlung vor allem der jungen Ärzte in der Weiterbildung. 313 Paragrafen umfasst inzwischen das Sozialgesetzbuch ( SGB) V, das “Grundgesetz” der gesetzlichen Krankenversicherung ( GKV). Hinzu kommen zahlreiche andere Gesetze, Verträge und Richtlinien - auf 25 000 Einzelvorschriften beziffert Dr. Andreas Köhler, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ( KBV), die von Ärzten zu beachtenden politischen Vorgaben. Fast alles ist reglementiert - nicht zuletzt die von niedergelassenen Ärzten veranlassten Leistungen, vor allem die Verordnung von Medikamenten, Hilfs- und Heilmittel ( Massagen etc.). Die Mediziner müssen beispielsweise bei Arzneiverordnungen spezielle Richtgrößen einhalten. Tun sie es nicht, drohen Honorarabzüge. Dieses Bestrafungssystem ( Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz) war das erste von der großen Koalition verabschiedete Gesundheitsgesetz, das auch ein Auslöser für den wachsenden Widerstand der niedergelassenen Ärzte war. Außerdem geht es den ambulant tätigen Kassenärzten ums Geld. Seit über 20 Jahren sind ihre Honorare durch Budgets “gedeckelt”. Das heißt vereinfacht gesagt, die Honorare wachsen nur so stark wie die Einkommen der Versicherten der GKV. Das klingt ja eigentlich ganz gerecht. Aber der einzelne Arzt kann nicht mit solchem Honorarzuwachs rechnen, sondern nur die Ärzteschaft insgesamt. Da die Zahl der Praxis-Ärzte in den vergangenen zwei Jahrzehnten aber deutlich gestiegen ist, hat jeder einzelne Arzt im Schnitt Einkommen verloren - zumindest real betrachtet, also unter Berücksichtigung der Inflationsrate. Demnach sind die Honorarzahlungen der gesetzlichen Krankenkassen für alle niedergelassenen Vertragsärzte zusammen zwischen 1993 und 2005 um nominal ( also nicht inflationsbereinigt) 29,5% auf 23,22 Mrd. Euro gewachsen. Das sind rund 15% der GKV-Leistungsausgaben insgesamt. Im selben 12-Jahres-Zeitraum nahm die Zahl der niedergelassenen Vertragsärzte aber um 20,8% zu. Grob gerechnet hat also jeder einzelne Arzt seit 1993 jährlich 0,7% Honorarzuwachs erzielt. Dies war in jedem Jahr weniger als die Lebenshaltungskosten gestiegen sind. Hinzu kommt, dass die Kassenärzte ihre Leistungen quartalsweise nach Punkten abrechnen müssen. Wieviel diese Leistungspunkte in Euro und Cent wert sind, steht allerdings erst nach Monaten fest. Ursprünglich sollte ein Punkt bei den gesetzlichen Krankenkassen 10 Pfennig oder 5,11 Euro-Cent wert sein. Inzwischen ist der durchschnittliche Punktwert jedoch um fast ein Drittel gesunken. Dieser Abwärtstrend ist das Ergebnis der pauschalen Honorarüberweisungen der Krankenkassen: Sie zahlen für jedes zahlende GKV-Mitglied pro Jahr im Schnitt 415 Euro “Kopfpauschale” an die 17 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen ( KV), um die Ärztehonorare zu begleichen. Wie viele medizinische Leistungen die Ärzte aus welchen Gründen tatsächlich abrechnen, kann den Krankenkassen egal sein. Zum Schluss wir das Pauschalhonrar nämlich einfach durch die Zahl aller abgerechneten Leistungspunkte geteilt. Was dabei heraus kommt, überweist die Kassenärztliche Vereinigung an den Arzt. Mehr behandlungsbedürftige Patienten in der Praxis, etwa wegen einer Grippewelle, kosten deshalb die Krankenkassen keinen Cent mehr - dieses Krankheitsrisiko bezahlen die Ärzte mit sinkenden Punktwerten. Dr. Wofgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes der Internisten, fasste am 19. Mai in Berlin beim dritten nationalen Protesttag in diesem Jahr den Unmut der Ärzte mit der Feststellung zusammen, die Ärzte wollen mit ihren Aktionen “demonstrieren, dass sie die Nase davon voll haben, dass das bisher beste Gesundheitssystem der Welt kaputtgespart wird, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat”.
März 2006
Die “moderne Medizin” fließt wie Honig in die Praxen. Sie erquickt die Ärztinnen und Ärzte und erfüllt sie mit Freude am neuen Tun. Interessante Fragen werden mit ja oder nein beantwortet, spannende Abwechslungen der Formulare für DMP Diabetes und DMP KHK machen den Beruf um Vieles attraktiver. Da freut es einen, wenn wieder neue Formulare für das Hausarztmodell in schicke Aktenordner abgeheftet werden können. Die machen sich gut in der Anmeldung. Für manche Formulare ( z.B. Reha-Antrag) braucht man auch manche Genehmigung durch die KV. Diese kommen sich dann ganz wichtig vor, wenn sie gefragt werden. Man stelle sich vor, es fragt sie keiner und sie müssten den M.... selber ausfüllen. Ach können wir zeitgenössischen Ärzte doch froh sein, in der jetzigen Zeit praktizieren zu dürfen und die Segnungen der “ modernen Medizin” selbst erfahren zu dürfen. Man stelle sich nur vor, in den guten 50ger und 60ger Jahren gearbeitet zu haben, dann wäre dieser Kelch auch noch an uns vorbei gegangen. Gar nicht vorzustellen.
26. Februar 2004
Der Wunsch der Krankenkassen, die Fortbildungspflicht für Ärzte im Gesetz zu verankern, wurde erhört. Für diese Forderung müssen die Kassen keinen Cent zahlen. Ärzte, die dieser Fortbildungspflicht bisher ebenfalls entsprachen, weil sie in der Berufsordnung festgeschrieben ist, müssen jedoch € 100 bis € 500 und mehr pro Fortbildung zahlen. Häufig kommen noch Fahrtkosten und Übernachtungskosten hinzu. Diese Fortbildungen finden in der Regel an den freien Wochenenden statt, also die Wochenenden ohne Notdienst und die Wochenenden nach einer einer langen Woche mit Tag- und Nacht-Rufbereitschaft als Hausarzt. Die eigenen familiären und besonders die sozialen Kontakte werden reduziert und sind bedroht. Die Finanzierung wird als selbverständlich auferlegt.
In den kommenden fünf Jahren müssen 250 Fortbildungspunkte gesammelt werden. Pro Veranstaltung werden 3 bis 15 Punkte vergeben. Für 15 Punkte muss jedoch eine Zeit von Freitag bis Sonntag kalkuliert werden, was zusätzlich Praxisschließung und Verdienstausfall bedeutet.
Aus Sicht der AOK reicht bei der Fortbildung eine Beschränkung auf fachliche Themen keineswegs aus. Ärztliches Lernen sollte vor allem auch bedeuten: lernen, zu sparen! Von Themen wie Organisation und Kooperation mit anderen Leistungserbringern, sowie Förderung von Wirtschaftlichkeitsaspekten würde das angemessene Ergebnis einer Behandlung auch abhängen.
Es wurde festgelegt, dass die medizinischen Inhalte der Fortbildung Aufgabe der Selbstverwaltung, also der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung ist.
Die Forderung der AOK ( lt. AOK-Chef Dr. Ahrens) ist verständlich. Allerdings: sparen auf Kosten Anderer kann jeder. Hohe Maßstäbe zu fordern und zu verlangen könnte auch irgendwann einmal auf sich selbst zurückfallen. Hoffentlich reicht dann die FortBildung.
26. Februar 2004 ( Dr. H-J Brauer, Essen)
Politik, Krankenkassen und selbstberufene Fachleute verwalten und kontrollieren in zunehmendem Maße das Gesundheitssystem. Dieser stattfindende Strukturwechsel führt zu einer immer tieferen Abhängigkeit vom Staat. Wenn die Zahl dieser Kontrolleure größer ist als die Zahl derer, die für Patienten tätig sind, dann wird dieses System endgültig ad absurdum geführt sein.
13. Juni 2003 Ärztezeitung
Angst um Job. Viele wollen keinen gelben Schein.
Immer mehr Patienten gehen krank zur Arbeit. Besonders in Regionen, in denen Arbeitsplätze Mangelware sind, scheuen viele Arbeitnehmer den Gang zum Arzt. Es habe sich der Trend verstärkt, dass Kranke immer später in die Praxis kämen.
Dass es trotzdem immer noch Vereinzelte gibt, die sich mit Hilfe des gelben Zettels einen freien Tag verschaffen wollen, können alle Ärzte bestätigen. Die Blaumacher werden aber in der öffentlichen Diskussion überbewertet. Das zeigt auch die Aktion der BKK Hamburg, die unlängst eine Liste mit Ärzten an Betriebe geschickt hatte, die angeblich voreilig krankschreiben!?
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